Essay
Bibelwissen contra Wissenschaft und Erkenntnis

Bibelwissen contra Wissenschaft und Erkenntnis

Was wäre eigentlich mit Wissenschaft und Forschung geworden, wenn es keine Bibel gegeben hätte?

Die Frage ist durchaus berechtigt, denn von Anfang an wurde jedes Hinterfragen der Welt von den Bibelverkündern im Keim erstickt, wenn es nicht dem Wohl des Glaubens diente.


Als die Kirche zu ihrem Siegeszug antrat, erwachten im Einfluss der hellenistischen und römischen Kulturen erste Ansätze von Wissenschaft. Mathematik und Physik lagen in den Geburtswehen. Man wusste damals in gelehrten Kreisen bereits von der Kugelgestalt der Erde. Eratosthenes (276-195 v. Chr.) errechnete den Umfang der Erde weitaus genauer als lange nach ihm Christoph Kolumbus.

Wissenschaft und Erkenntnis sind elementar für den Menschen


Aber die christlichen Offenbarer beharrten darauf, alles Wissen allein und wahrhaftig zu besitzen. Erkenntnis außerhalb der Bibel war überflüssig, geradezu undenkbar.


Was hätte sich alles entwickeln können, hätte man dem Forscher- drang von Anfang an freien Lauf gelassen?

Vielleicht hätte man Tuberkulose, Pest und Cholera schon Jahrhunderte früher besiegt, wäre nicht jeder Versuch, den menschlichen Körper zu erkunden, mit Blut und Peitschenhieben unterdrückt worden.

Verringerung des Leides durch Wissenschaft und Erkenntnis?


Wie viel Leid wäre den Menschen erspart geblieben und wie viele Gewissensnöte vermieden worden, wenn man Krankheit nicht als Strafe Gottes betrachtet und medizinische Forschung nicht als Sünde verschrien und verhindert hätte.


Die Heilkunst war vor der Zeitrechnung hauptsächlich in Ägypten und Griechenland recht fortgeschritten. Erziehung und Bildung hatten einen hohen Stand erreicht. 42 Tempel waren allein Asklepios gewidmet, dessen Heilstätten gut besucht waren. Die Medizin war erwacht und schien voranzuschreiten, aber das Christentum fürchtete die Konkurrenz des Wissens und verketzerte und bekämpfte sie. „Die Kranken sollen lieber zum Gebet als zum Arzt gehen“, war die überlieferte Ansicht der Geistlichkeit.


Wer kann es ihr verdenken, schließlich steht klar und deutlich in der Bibel, wer für Krankheit verantwortlich ist (5. Mose 32,39): „Ich kann töten und lebendig machen.“


Die Hauptursache aller Krankheiten und körperlicher Gebrechen wurde im Ungehorsam gegen Gott gefunden. Warnte nicht der Herr seine Menschen unmissverständlich, sollten sie ihm
(3. Mose 26,14) „nicht gehorchen,“ würde er sie mit Krankheit strafen? (3. Mose 26,16) „Ich will euch heimsuchen mit Schrecken, mit Auszehrung und Fieber.“


Das Sezieren von Leichen und der Gebrauch natürlicher Heilmittel galten als Teufelswerk. Im Jahr 1543 fertigte der Mediziner Andreas Vesalius eine durch systematisches Sezieren erstellte anatomische Studie an, die er von seinem Freund Stephan von Kalkar naturgetreu hatte illustrieren lassen. Die Bilder zeigten den menschlichen Körper, seine Nerven, seine Muskeln und Knochen mit erstaunlicher Präzision.


Was die Theologen daran besonders entrüstete, war die Erkenntnis, dass Mann und Frau die gleiche Anzahl Rippen besitzen. Hatte Gott nicht Adam eine Rippe genommen, um Eva zu erschaffen? Also müssten Männer doch eine Rippe weniger haben. Entrüstung überall.


Die Liste der von Theologen verfolgten und verhöhnten Forscher ist endlos.

Charles Darwin, selber ein ehemaliger Theologe, wurde noch im 19. Jahrhundert aufs Widerwärtigste beschimpft und bedroht. Bis heute erscheinen religiöse Schriften, die seine Evolutionstheorie vehement bestreiten.
Immer wieder hat man mutige Forscher verurteilt und niemand kann die unzähligen verbrannten und geschmähten Kräuterhexen zählen, die nichts als helfen wollten. (2. Mos/Ex. 22,17) „Eine Hexe sollst du nicht am Leben lassen.“ (kath. Einheitsübersetzung)


Wissenschaft und Experiment wurden bis zur Renaissance durch Bibel und Dogma rücksichtslos geahndet. Erst die Französische Revolution eröffnete den langen Prozess der Aufklärung und nahm der Kirche ganz langsam ihre Macht über das Denken.


Dabei ist der Forscherdrang ein elementares menschliches Bedürfnis, denn die Evolution hat dafür gesorgt, dass wir am Verstehen Freude finden und dass es uns drängt, Fragen zu stellen. Wenn wir also Gottes Ebenbild sein sollen und die Wirklichkeit um uns von einem Gott erschaffen worden ist, dann kann dieser Gott nicht außerhalb der Wirklichkeit sein.


Vor Überlegungen dieser Art, vor Logik und kritischem Geist fürchtete sich die Kirche aber seit Anbeginn. Nicht umsonst ärgerte sich Gott am meisten darüber, dass die von ihm geschaffenen Menschen im Paradies vom Baum des Wissens gegessen hatten (1. Mose/Gen. 2,17):

„Aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen.“

Roman Corleone

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